Besuchsnotizen: Cyril Fhal, Latour de France

Puuuh, was für ein sch… Winter ! „Nix wie weg“ – dachten wir uns und haben am Freitag den 17.01.14 mal spontan das Haus verriegelt, den VW Bus gesattelt und sind los gedüst Richtung Süden. Genauer: Richtung Roussillon. Noch genauer: ab nach Banyuls sur Mer. Dort unten im kleinen, im Winter eher verschlafenen Dörfchen am Mittelmeer ist unsere „Homebase“ in Südfrankreich. Dort haben wir die Schlüssel zu einem kleinen gemütlichen Häuschen und von dort aus schwärmen wir gerne aus um Ideen zu sammeln, mit lokalen Weinhändlern zu schwatzen und am allerwichtigsten: um Weinbauern, a.k.a Vignerons, a.k.a Winzer zu treffen!

Banyuls, sehr früh am Morgen

Dieser direkte Kontakt ist uns im Haus ganz besonders wichtig. Viel wichtiger als Stempel und Zertifizierungen. Wir wollen die Weingärten selber sehen, wollen genau hinschauen und überprüfen ob hier industriell oder wirklich biodynamisch/nachhaltig gearbeitet wird. Untersuchen ob es lebt und spriesst und Bio-Diversität ernst genommen wird. Natürlich ebenso wichtig und dazu noch ein riesen Spass: unsere dicken Nasen tief in die neuen Jahrgänge zu stecken, zu degustieren und die Arbeit im Keller zu diskutieren.

Latour de France

Latour de France, Nähe Perpignan. Immernoch am Morgen !

In der Deutschschweiz noch wenig bekannt, gehört der ursprünglich aus Paris stammende Cyril in Frankreich längst zu den grossen, verlässlichen Namen in Sachen Vin Libre. Die Weinhändler prügeln sich förmlich um Allokationen und ganz leicht könnte er ein Vielfaches verkaufen. Macht er aber nicht. Nicht seine Art. Statt nach weiteren Lagen zu suchen, plant er lieber die Anlage einer kleinen Olivenbaumpflanzung. Zum Eigenverbrauch. Weil er Spass am Anbauen hat und weil es sich „gut und richtig“ anfühlt. Überhaupt, mehr als seine 7ha möchte er eh nicht bewirtschaften. 7ha lassen sich mit einem Angestellten noch gut bewerkstelligen und mit dieser Grösse fühlt er sich rundum wohl. So kann er selbst seine Böden analysieren, die Reben kontrollieren, von Hand beschneiden und pflegen – also ganz gezielt und bewusst im Weingarten arbeiten. Das allein muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: andere erfolgreiche Winzer können gar nicht schnell genug wachsen. Erreichen in wenigen Jahren 20ha, dann 50, dann 100ha. Cyril hingegen träumt von seinem eigenen Olivenöl.

CdRG - der "Clos", aus der Ferne

Mauer um Weingarten = „Clos“. Auf dem Busch in der Mitte des Bildes hatte damals ein Rotkehlchen gesessen und Cyril zum Namen inspiriert.

Die Tour durch die Weingärten war entsprechend eindrücklich. Nichts für maschinelle Arbeit optimiert, keine Vertikaldrahtsysteme…einfach nur wunderschöne, alte Reben im Gobelet. Atemberaubende Aussichten auf schneebedeckte Berge (die Ausläufer der Pyränäen) ergänzten das Bild und am Liebsten hätten wir noch etwas länger dort verweilt,  das Gesicht einfach mal 10, 20 Minuten in die Sonne gehalten. Aber Winzer wie Cyril haben leider selten Zeit und der 2013er Jahrgang wollte ja auch noch degustiert werden. Also ging es   nach unserer Tour gleich wieder zurück nach Latour und sofort an die weitere „Arbeit“.   Der Keller der Clos du Rouge Gorge ist eher klein, beruhigend sauber und aufgeräumt. Lautsprecher hängen ganz oben an der Wand, Edelstahl Gärtanks, eine Mischung aus österreichischen und französischen Fässern in verschiedenen Grössen. Cyril baut Carignan, Grenache, Maccabeu und etwas Carignan Blanc an und jede Sorte wird behutsam einzeln vergoren und ausgebaut. Die 2013er waren allesamt fantastisch lecker und zusammenfassend könnte man sagen „super Qualität, miese Quantität“. Es hat einfach nicht sehr viel, denn wie die meisten Winzer hat auch Cyril 2013 ein eher schwieriges Jahr im Weingarten erlebt und kann nach gründlicher Selektion leider nur niedrige Mengen an Wein anbieten. Aber ja, jammern wolln wir mal nicht, denn die Qualität war geradezu betörend. Vor allem der jugendliche „Jeunes Vignes“ (naja, die Reben sind immerhin 20, 30 Jahre alt!) hat restlos begeistert, mit seiner Leichtigkeit und tollen floralen Noten neben feiner roter Frucht und etwas pfeffrig würzigem. Trotz ganz mageren 2, 3 mg an So2/Schwefel keinerlei Reduktion, sondern klar und sauber, und das frisch aus dem Fass! Wir haben also sofort und spontan unser Interesse angemeldet und hoffen auf freundliche Allokation wenn es soweit ist und die Weine abgefüllt und verschickt werden können ! Bis dahin freuen wir uns über diesen herrlichen Besuch bei Cyril, die schönen verbrachten gemeinsamen Stunden im Weingarten und Keller und öffnen uns genüsslich eine Flasche des 2012er Jeunes Vignes um die Wartezeit auf den neuen Jahrgang zu überbrücken !